Kreuzfahrt „Norwegen mit Nordkap & Geirjangerford“

Eine Reise entlang der Westküste Norwegens

von Bernhard Neuböck

Ziemlich kurzfristig und mit einem etwas schlechten Gewissen, was die Klimafreundlichkeit betrifft (der sogenannte „Earth overshoot day“, also der Tag, an dem wir die verfügbaren Ressourcen für heuer schon aufgebraucht haben, war ja erst gerade), habe ich eine Kreuzfahrt entlang der Küste Norwegens mit der TUI Cruises „Mein Schiff 4“ gebucht. So eine Reise hatte ich schon länger vor und der Zeitpunkt passte gerade sehr gut.

Eigentlich war mein ursprünglicher Plan, die Reise mit der sogenannten Hurtigruten Postschiff Route zu machen. Die Stopps sind allerdings hier immer so kurz, dass anständige Landgänge kaum möglich wären.

Reiseverlauf

Reisezeit in Norwegen

Die Frage, zu welcher Zeit man so eine Reise in den Norden antritt, hängt primär vom gewünschten Wetter, Durchschnittstemperaturen und Tag-Nacht-Verlauf ab. Während im Sommer die durchschnittlichen Temperaturen so um die 15°C betragen, das Wetter zu dieser Reisezeit üblicherweise am besten, das Tageslicht fast rund um die Uhr und bei gutem Wetter auch die Mitternachtssonne zu sehen ist, ist es im Winter mit ca. -5°C im Durchschnitt und den ganzen Tag Dunkelheit für das Gemüt eine Herausforderung. Der große Vorteil ist aber, dass dann die Chancen für Polarlichter am höchstens sind.

Wetterverlauf in Bergen
Wetterverlauf am Nordkap

Reederei und Buchung

Diese Reise war bereits meine dritte Kreuzfahrt, somit wusste ich ungefähr, was mich am Schiff erwartet. Meine erste Kreuzfahrt war damals ebenfalls mit TUI „Mein Schiff“, die zweite mit Costa Cruises. „Mein Schiff“ gehört doch eher zu den teureren Kreuzfahrten mit den umfangreichsten Inklusivleistungen und dem besten Service, jedoch gibt es keinen Rabatt für Begleitpersonen. Der Vorteil von Costa ist, dass hier für Begleitpersonen die Kabine kostenlos ist. Die inkludierten Leistungen sind aber sehr limitiert.
Ich hatte eine barrierefreie Kabine für drei Personen gebucht, welche online als verfügbar angezeigt wurde. Mehr durch Zufall kam aber dann auf, dass es diese Kombination gar nicht gibt und wir auf eine dementsprechende Innenkabine ausweichen mussten.

Die „Mein Schiff 4“

Anreise nach Bremerhaven

Wir wussten nicht so recht, wie wir die Anreise am besten angehen sollen. Zur Option standen eine direkte Autofahrt von knapp 950km oder ein Flug von München nach Bremen und Weiterfahrt per Zug. Wir entschieden uns für den zweite Variante. Ich glaube, dass ich allerdings beim nächsten Mal eine Anfahrt per Auto wählen würde.

Barrierefreiheit an Bord

Was Kreuzfahrtschiffe betrifft, sind diese bezüglich Barrierefreiheit immer einwandfrei ausgestattet. Unsere Kabine verfügte über eine behindertengerechte Toilette mit Stützklappgriffen und einer ebenerdigen Dusche mit Klappsitz. Am nervigsten sind die überwiegenden Flächen mit Teppich, was für Rollstuhlfahrer ziemlich mühsam ist.

Barrierefreie Kabine
Barrierefreies Badezimmer

Inklusivleistungen und Bordprogramm

Auf Kreuzfahrten wird einem hier einiges geboten. Das Angebot an Verpflegung ist hervorragend, man kann von Buffetrestaurant bis 5-Gänge Menüs wählen. Das Essen ist sehr gut und bei „Mein Schiff“ ist an Getränken fast alles inklusive.

Es werden täglich u.a. Vorträge, Konzerte, sportliche Aktivitäten und Schnupperkurse angeboten, auch für Kinder gibt es immer Beschäftigungen. Natürlich gibt es auch Aufpreis pflichtige Angebote, der Großteil ist aber kostenlos.

Landgänge

Geführte Landgänge sind immer kostenpflichtig, ich bevorzuge aber generell Erkundungen auf eigene Faust. Bis auf den einen Stopp im Geirangerfjord konnte ich direkt am Pier aussteigen. Beim Geirangerfjord war es aber ein Tenderhafen, was bedeutet, dass das Schiff nicht direkt am Pier anlegt, sondern der Transfer auf das Festland per kleineren Booten erfolgt. Aus versicherungstechnischen Gründen hat man mich, nachdem ich keinen Schritt zu Fuß laufen kann, nicht von Bord gelassen, was ziemlich schade war, weil dieser Stopp eigentlich mein Highlight auf der Reise gewesen wäre. Übrigens: Die Regierung Norwegens hat übrigens nun beschlossen, dass ab 2026 nur mehr emissionsfreie Schiffe mit Strom – oder Wasserstoffantrieb in den Geirangerfjord einfahren dürfen.

Bryggen in Bergen
Ålesund

Wetter

Wir hatten wirklich ziemliches Pech und an den elf Tagen gab es genau an einem Tag halbwegs schönes Wetter, an allen anderen Regen, Wind und eher tiefe Temperaturen. Gerade der Regen war ziemlich mühsam und wir hielten die Landgänge immer eher kurz bzw. bis wir relativ durchnässt waren. Für das Wetter kann niemand was, wir versuchten es wohl oder übel gelassen hinzunehmen.

Am Nordkap

Landschaft und Gelände

Die Städte und Fjorde in Norwegen haben einen ganz eigenen Charme. Die Städte sind zu einem großen Anteil direkt am Wasser gebaut, die Gebäude oft nur aus Holz. Vielerorts sind die Wände bunt, was angeblich dem tristen Alltag und Wetter in den Wintermonaten entgegenkommen soll.
Mehr als bei uns sind die Hügel der Fjorde bis an die Gipfel bzw. Schneegrenze grün und dicht bewachsen und viele Bachläufe und Wasserfälle ziehen sich durch das Grün hindurch.
Generell ist es, auch in den Städten, oft sehr hügelig, daher ist ein Zuggerät à la SwissTrac, TriRide etc. sehr zu empfehlen.

Blick in den Geiranjerford
Ein typischer Wasserfall im Fjord

Preise in Norwegen

Speziell in der Gastronomie, bei Alkohol und bei Zigaretten sind die Preise im Vergleich zu Österreich sehr hoch. Ein Menü in einem mittelpreisigen Restaurant kommt gern mal auf 60 – 100€, ein Bier auf 6 – 10€. Zigaretten bewegen sich im Bereich von 12 – 14€. Auch im Lebensmittelhandel sind die Preise im Schnitt um ca. 50% höher als bei uns. Für die Norweger selbst ist das Verhältnis durch den generell höheren Verdienst natürlich anders.

Nachhaltigkeit und Ressourcenverbrauch

Keine Frage, so eine Kreuzfahrt ist alles andere als Ressourcen- und Umweltschonend. Auf dieser elftägigen Reise hat das Schiff sage und schreibe 800 Tonnen Treibstoff verbraucht. Für die 2300 Gäste und 960 an Personal wurden in Summe 160 Tonnen Lebensmittel und Artikel des täglichen Verbrauchs (Toilettartikel, Einwegservietten, …) gebunkert, es soll einem ja an nichts fehlen.
Meine bisherigen Erfahrungen mit Buffetrestaurants auf Schiffen oder Hotels waren gemischt, da zum Teil ja Gäste die Teller randvoll beladen und dann bei weitem nicht aufessen.
Im Vergleich zu Costa, wo primär Italiener und Franzosen sich so verhielten, war ich bei „Mein Schiff“ mit vorrangig deutschen und österreichischen Gästen positiv überrascht und es wurde wirklich sehr wenig liegen gelassen. Der Proviantmeister hat mir in unserem Gespräch erklärt, dass, auf die Einzelpersonen heruntergebrochen, die Menge an Biomüll geringer als in einem durchschnittlichen deutschen Haushalt ist.

Resümee

Wie bereits erwähnt, war dies nun meine dritte Kreuzfahrt. Eine weitere Fahrt in den Norden werde ich wahrscheinlich nicht mehr machen, die Landschaft und die Städte sind aber trotzdem sehr sehenswert. Gerade für in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen bietet sich so eine Reise an, weil ja für Barrierefreiheit fast zu 100% gesorgt ist. Meine (eventuelle) nächste Kreuzfahrt geht wieder in den sonnigen Süden!

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